Kommunikation

Kommunikation


3 Wir legen den Pferden das Zaumzeug ins Maul, damit sie uns gehorchen; so lenken wir das ganze Tier. 4 Oder denkt an ein Schiff: Es ist groß und wird von starken Winden getrieben; trotzdem wird es mit einem winzigen Ruder gesteuert, wohin der Steuermann es haben will. 5 Ebenso ist es mit der Zunge: Sie ist nur klein und bringt doch gewaltige Dinge fertig. Denkt daran, wie klein die Flamme sein kann, die einen großen Wald in Brand setzt!

Abb.1


Ziel dieses Abschnittes ist es zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, zu verstehen, dass Kommunikation vielschichtig ist, dass jeder ein anderes Verständnis und einen anderen Hintergrund hat und dass es möglich ist, mit ein wenig Übung und Sensibilität eine gemeinsame “Sprache“ zu entwickeln.


Grundlagen der Kommunikation



Definition Kommunikation


Der Begriff Kommunikation ist abgeleitet vom lateinischen Wort communicare (mitteilen, sich verständigen) - bezeichnet die Gesamtheit aller Informationen auf verbaler als auch nonverbaler Ebene, die zwischen mindestens zwei Menschen ausgetauscht werden. Kommunikation ist kein Monolog, sondern ein Dialog.



Der Sozialwissenschaftler und Psychologe Paul Watzlawick kam zu dem Schluss, dass es schwer ist, richtig zu kommunizieren. Darauf aufbauend entwickelte er zwei Grundregeln der Kommunikation, die sich in allen zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder bewahrheiten.


Regel 1: Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren

Im Beisein anderer Menschen hat jedes Verhalten eine bestimmte Bedeutung für die Kommunikation. Wir kommunizieren auch dann, wenn wir nichts sagen, weil unser Körper Signale an andere vermitteln.


Regel 2: Jede Kommunikation hat Inhalts- und Beziehungsaspekte

Kommunikation ist stets von Inhalts- als auch Beziehungsaspekten geprägt.



1.1 Die Ebenen der Kommunikation


Was zeichnet die nonverbale Ebene aus?

Bei der nonverbalen Kommunikation werden Informationen über die Körpersprache zum Ausdruck gebracht. Die Körpersprache umfaßt die Mimik, die Gestik, die Körperhaltung, die Stimmung, den Abstand zum Gesprächspartner, den Augenkontakt, den Gesichtsausdruck, etc.


Was zeichnet die verbale Ebene aus?

Bei der verbalen Kommunikation tauschen zwei oder mehrere Gesprächspartner Informationen mit Hilfe der Sprache (mündlich) aus. Dabei spielt die Stimme und die Lautstärke der Stimme wie auch die Tonlage („Der Ton macht die Musik“) eine wichtige Rolle.

Unter anderem werden diese beiden Ebenen sehr stark von folgenden Faktoren beeinflusst:



Es ist wichtig zu verstehen, dass beide Ebenen eng miteinander verbunden sind und wir nicht nur verbal oder nonverbal kommunizieren. Ich liebe Dich, kann in vielen verschiedenen Tonlagen und mit verschiedensten Gesichtsausdrücken gesagt werden. Die Bedeutungsspanne kann zwischen einem ehrlichen Ausdruck von tiefer Zuneigung bis hin zu einer sarkastischen Aussage in einem Streit reichen oder einfach nur als alltägliche Floskel dahin gesagt sein. Je nach Situation und die Art wie wir etwas sagen, kommt es positiv oder negativ beim Gesprächspartner an, verbindet er positive oder negative Gefühle und Bilder damit und dem entsprechend wird auch seine Reaktion ausfallen.

Die Körpersprache und die verbale Kommunikation sollten übereinstimmen, da sonst Irritation und Mißverständnisse entstehen können. Ein mit grimmigen Gesichtsausdruck gesagtes „ ... ich liebe Dich!“ wirkt nicht stimmig und erzeugt Unsicherheit bei Partner.


Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das Gesagte (die Botschaft) immer vier Aspekte beinhaltet:


        1. Den Sachinhalt – hierbei wird der Sachinhalt einer Botschaft kommuniziert.

        2. Die Beziehung – hierbei spielt die Beziehung zwischen dir und deinem Gesprächspartner/in eine Rolle. Die Beziehung spiegelt sich in deiner verbalen und nonverbalen Ausdrucksweise wieder.

        3. Der Appell – der Appell richtet sich an deinen Gesprächspartner/in mit dem Sinn, bei ihm/ihr eine Handlung auszulösen. Das kann bewußt oder auch unbewußt erfolgen.

        4. Die Selbstoffenbarung – sie gibt etwas über deine Person preis. Dabei handelt es sich um eine sogenannte “Ich-Botschaft“. Auch hier kann eine bewußte aber auch unbewußte Übermittlung stattfinden.


Beispiel (aus Miteinadner reden 1, 2005, Seite 31)2:

Ausgangssituation: Die Frau (Empfäner der Nachricht) sitzt am Steuer. Der Mann (Sender der Nachricht) sitzt neben ihr.

Er sagt zu Ihr: „Du da vorne ist grün.“



1.2 Gute Kommunikation


Was macht gute Kommunikation in der Ehe aus?


Unter guter Kommunikation ist zu verstehen, dass diese Art des Kommunizierens die Beziehung fördert und beide Partner gleichermaßen zufrieden stellt. Gute Kommunikation ist geprägt von Wertschätzung für den Partner. Sie erhält oder steigert das Selbstwertgefühl des Gegenübers. Mit guter Kommunikation wächst die Beziehung. Gute Kommunikation vertieft das Vertrauen zueinander und baut dadurch Ängste und Vorbehalte ab. Gute Kommunikation ist geprägt von Offenheit und Akzeptanz für den anderen, der Fähigkeit sich in den anderen hinein zu versetzen, zuhören zu können und das Gehörte im Bezug auf die Bedürfnisse des anderen einzuordnen.


Wozu dient bzw. was prägt gute Kommunikation?



Was öffnet die Türe zu einer guten Kommunikation in der Beziehung?



Es ist wichtig von sich selbst zu sprechen. Dabei spricht man von einer sogenannten “Ich-Botschaft“. Sätze, die mit “Du“ beginnen, können als Angriff aufgefaßt werden und erzeugen meist einen Gegenangriff. Dabei sollten die Dinge konkret auf den Punkt gebracht und nicht allgemein und personenneutral kommuniziert werden.

Mißverständnisse bei dieser Art der Kommunikation sind vorprogrammiert.


Kommunikation mit meinem Partner sollte von Respekt und Liebe ihm gegenüber und seinen Ansichten geprägt sein. So wie man es sich selbst auch wünscht. Es gehört dazu sich Zeit zu nehmen und geduldig zuzuhören. In einem klugen Spruch heißt es:


Wir haben einen Mund und zwei Ohren.

Deshalb sollen wir doppelt so viel zuhören wie sprechen.“


Zwei Menschen können jahrelang unter einem Dach leben und miteinander reden, aber sich doch nicht wirklich begegnen.

Mary Catterwood


Nachfragen und das Gehörte von Zeit zu Zeit wiederholen. Das vermittelt eine ehrliche Bereitschaft zu erfahren, was der Partner denkt und fühlt. Das schafft Verbindung im Gespräch. Nur wer sich die Zeit nimmt und zuhört wird den geliebten Mensch an seiner Seite verstehen und kennenlernen. Zuhören will gelernt sein. Es ist ein wichtiger Teil der Kommunikation und einer Ehe. In einem der folgenden Abschnitte wird es speziell zum Zuhören noch ein paar Tipps geben.


Freundlichkeit ist ein wichtiges Element gelungener Kommunikation. Ein ehrliches und offenes Lächeln kann Menschen und Situationen grundlegend verändern. In Verbindung mit einem ruhigen sachlichen Ton und konstruktivem argumentieren in Diskussionen gelingt es selbst schwierige Konfliktsituationen zu meistern.


1.3 Konfliktkommunikation/Kommunikationsregeln


Konflikte durch missverständliche, falsche oder verletzende Kommunikation, wer von uns kennt sie nicht? Es kommt immer wieder vor, dass zwei bei einem Streit das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren. Das führt zu ergebnis- und ziellosen Konflikten, die auch nachhaltig noch sehr negative Auswirkungen entfalten können. Konflikte gehören zum menschlichen Miteinander und zur Entwicklung einer Partnerschaft. Doch ist ein Konflikt durchaus so zu meistern, dass beide Partner zu einer gemeinsam lebbaren Lösung kommen und daran reifen können. Wichtig ist, dass beide Seiten bei einem Streit immer auf eine gemeinsame Lösung aus sind.

Konflikte wird es immer wieder geben, das wird sich nicht vermeiden lassen. Vermeiden läßt sich allerdings zum Beispiel, dass es immer wieder die gleichen Inhalte sind über die gestritten wird oder dass jeder Streit mit Verletzungen, Enttäuschungen und Rückzug endet. Solche destruktiv ausgetragenen Konflikte erzeugen Frust und öffnen weiteren unfruchtbaren Konflikten Tür und Tor. Dazu ist es erforderlich, dass jeder Einzelne an seiner Konfliktkompetenz arbeitet um eine gemeinsame und konstruktive Streitkultur zu entwickeln.


Aus diesen Grund möchte ich in den nun folgenden Kapiteln darüber sprechen wie Meinungsverscheidenheiten konstruktiv gelöst werden können und wie sich Konflikte minimieren und vermeiden lassen.


Ein konstruktive Streitkultur zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:


Zahlen und Fakten


Welches sind besonders gefährliche Kommunikationsfallen?

Es haben sich insbesondere vier Kommunikationsmerkmale als besonders destruktiv für den Verlauf einer Partnerschaft herauskristallisiert:

  1. destruktive Kritik (verallgemeinernde, negative Bemerkungen: z.B. "Du machst das ja sowieso nie"),

  2. verächtliche, den Partner abwertende Bemerkungen (z.B. "Aha, plötzlich interessierst Du Dich für andere Leute"),

  3. defensive Kommunikationsmuster (häufiges Sich-Verteidigen bei gleichzeitigen Gegenangriffen und Rechtfertigungen; z.B. "Wieso soll ich das tun, Du gibst Dir ja auch keine Mühe, mir etwas zuliebe zu tun, und überhaupt...") sowie

  4. Rückzug aus der Kommunikation und Gesprächsverweigerung (sich abwenden, rausgehen, den Partner ins Leere gehen lassen).

  5. Paare, bei welchen diese vier Verhaltensstile in Gesprächen häufig zu beobachten sind, haben ein erhöhtes Scheidungsrisiko. Der amerikanische Paarforscher Prof. John Gottman konnte aufgrund der Häufigkeit des Auftretens dieser vier Kommunikationsfehler mit 80 bis 90% Wahrscheinlichkeit die Scheidung von Paaren vorhersagen.

Abb.3


1.4 Positiv- Negativ-Formulierungen


Viele Menschen neigen dazu, Konfliktgespräche mit negativ belasteten Worten zu beginnen. Sie verstärken somit das Negative und vermindern die Chance auf einen konstruktiven Verlauf des Konflikts. Im Folgenden ein paar Tipps und Beispiele, um zu verdeutlichen was negative Kommunikation ausmacht und von was sie beeinflußt wird. Es ist kein Geheimnis, dass unsere Sprache, unsere Art zu kommunizieren, ein Ausdruck unseres Innenlebens ist.



Negativ Beispiel:

„… ich fühle mich gerade echt schlecht und habe keine Lust auf dich…“

„…. ich will jetzt nicht mit dir reden...“

Du mußt noch den Müll rausbringen“


Positiv ausgedrückt:

„… ich fühle mich heute nicht sehr wohl und würde das Gespräch gerne auf morgen verschieben, weil es mir wirklich wichtig ist.“

„….laß uns bitte nachher darüber reden, ich bin jetzt noch nicht bereit.“

Wolltest Du nicht noch den Müll rausbringen?“


Das Augenmerk beim positiven Formulieren sollte immer darauf gerichtet sein, was für den Partner positiv, beruhigend oder sogar erfreulich ist. In jedem Fall sollte es konstruktiv und nicht verletzend sein. Es sollte Klarheit und Frieden erzeugen und das Gesagte sollte mit der Körpersprache, der Gestik und dem Ton zusammenpassen. Dazu ist es wichtig, die eigene Kommunikation zu beobachten und sich zu überlegen, von was sie geprägt ist und wie sie beim Gegenüber ankommen könnte. (“durch die Ohren des Anderen hören“).


Warum erzeugt die Aussage meines Partners bei mir so negative Empfindungen?

Oder warum erzeugt mein Gesagtes so negative Gefühle bei meinem Partner?

Habe ich zum Beispiel noch Verletzungen oder Minderwertigkeit in genau diesem Bereich, weshalb ich folgedessen so abweisend und angegriffen reagiere?




Übungsaufgabe

Beobachte einmal deine Kommunikation. Ist diese eher von positiven, optimistischen oder eher von negativen, pessimistischen Aussagen geprägt? Frage deinen Partner wie er Deine Kommunikation empfindet.




1.5 Wie Prägungen und Herkunft unsere Kommunikation beeinflussen


Die erste Prägung unserer Kommunikation erhalten wir im Elternhaus. Das heißt die Grundlage unserer Kommunikation wurde erst einmal ohne unser Zutun gelegt. Oft kommunizieren wir unbewußt in der “Sprache“ (Ausdrucksweise, Wortwahl, Lautstärke, Gestik und Mimik), die wir in unserer Herkunftsfamilie erfahren und erlernt haben. Welche “Sprache“ sprichst Du?

Die erlernte Sprache kann sowohl förderlich als auch hinderlich für die eigene Kommunikation sein.

Um sich darüber bewußt zu werden wie wir geprägt sind, welche Sprache wir sprechen, helfen die folgenden Fragen.


  • Hast du viel Kritik und Tadel erfahren oder wurdest du viel gelobt?Wurde in deiner Herkunftsfamilie bei Konflikten der Ton schnell laut und unsachlich oder herrschte ein ruhiger sachlicher Ton?

  • Wurde bei dir daheim oft zynisch, sarkastisch oder verletzend kommuniziert oder haben Deine Eltern auf eine faire und respektvolle Weise miteinander gestritten.

  • Wie hat Dein gleichgeschlechtlicher Elternteil bei Konflikten kommuniziert?

  • Neigte Dein Vater/Mutter vielleicht dazu einen Streit auszusitzen und zu schweigen?

  • Kam es vor, dass Deine Eltern vielleicht über Tage hinweg kein Wort miteinander geredet haben?

  • Gab es extreme emotionale Reaktionen, die den Konflikt eher noch verschärften?


1.6 Elemente der konstruktiven Konfliktlösung bzw. Vermeidung


Ich bin weitgehend deiner Meinung, gebe jedoch zu bedenken, dass …“

Ich kann deine Auffassung gut verstehen (hier präzisieren was du gut verstehst), ich sehe das jedoch so (hier genau zum Ausdruck bringen, wie du die Angelegenheit siehst).“








Übungsaufgabe

Beobachte Dich einmal in der nächsten Diskussion und versuche kein “ja, aber“ zu verwenden.




1.7 Vergebung als versöhnendes Element nach einem Konflikt und Teil einer längerfristigen Investition in die Beziehung


Es kommt immer wieder vor, dass man sich in einem Streit, absichtlich oder unabsichtlich verletzt. Das kann sowohl auf verbaler als auch auf nonverbaler Ebene stattfinden Es kann aber auch dazu kommen, weil jeder einfach nur so ist wie er ist und der andere es in bestimmten Situationen als einen Angriff bzw. verletzend empfindet, wenn der Partner so reagiert wie er eben reagiert. Deshalb ist es wichtig sich zu kennen. Sich für die Schwächen, Stärken, Ansichten, Persönlichkeit, Wünsche und Bedürfnisse des Anderen zu interessieren bedeutet in einem Streit zu wissen, mit wem man streitet. Es ist möglich, das Gesagte im Kontext zur Person einzuordnen, weil man weiß wer es sagt.


Ein wichtiges Element der Konfliktkommunikation bzw. der Konfliktbewältigung ist die Vergebung. Dabei geht es darum, dem Partner zu vergeben, was er in einem Streit gesagt oder getan hat. Vergebung schafft einen gesunden Boden für kommende Konflikte. Vergebung erleichtert die Last eines Streites und öffnet nach dem Konflikt den Weg zum Herzen des Partners. Mit Vergebung wird eine Beziehung frei von Altlasten die sich ansonsten von Streit zu Streit anhäufen könnten. Ein “Nachtragen“ wird erschwert und somit die Chance auf “Leichen im Keller“ erheblich reduziert. Denn es sind gerade die “Leichen“ (unverarbeitete Konflikte), die in einer Beziehung immer wieder für Streitpotential sorgen und sehr zermürbend sein können. Vergebung ist eine Haltung, ein Einstellung. Sie hat mit der Einsicht zu tun, dass es in einer Lieben zwischen zwei Menschen keinen Raum hat für Anklage und Vorwürfe. Der Charakter von Vergebung hat etwas mit Reife, Demut und Selbstlosigkeit zu tun. Demut deshalb, weil man bereit sein sollte, den eigenen Stolz zu überwinden und den Partner beispielsweise für eine verletzende Aussage, um Vergebung zu bitten. Selbstlosigkeit, weil es in diesem Moment darum geht, wie es dem anderen geht, was man mit dem eigenen Verhalten erzeugt hat. Zu erkennen, dass man den Partner verletzt hat, ist bereits ein Zeichen emotionaler und persönlicher Reife.


Ein weiteres wichtiges Element der Konfliktkommunikation/Bewältigung, welches an Vergebung anknüpft, ist die Wiedergutmachung. Wiedergutmachung bekräftigt die Einsicht die einen Menschen zur Vergebung geführt hat. Wiedergutmachung signalisiert dem Partner die Bereitschaft zur Veränderung. Mit Wiedergutmachung wird Vergebung ganz praktisch.


Hier ein paar Tipps zur Wiedergutmachung:


Beziehe Deinen Partner nie in Deine Schuld mit ein, weder ganz noch teilweise. Bei Wiedergutmachung geht es um Dein Unrecht, Deine Schuld und Dein Verhalten. Es geht nicht darum etwas zu Verhandlung zu stellen - sondern darum Deine Schuld zu bekennen.


Der Selbsteinsicht, dass man jemanden verletzt hat, darf kein Satz wie: "Wenn ich dich beleidigt habe" oder “Wenn Du nicht so dummes Zeug gesagt hättest“ folgen. Vielmehr sollte es heißen: "Bitte, vergib mir“, “Es tut mir leid, und ich bitte Dich um Vergebung."



Eine überproportional große Wiedergutmachung ist ungesund für die Beziehung und kann für ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern sorgen. Wiedergutmachung kann als Unterwürfigkeit oder falsche Demut verstanden werden. Der Partner könnte das ausnutzen und eine überzogene Opferrolle einnehmen. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sollte von Beiden stets im Auge behalten werden.

Es geht nicht darum sich als besonders reif über den Partner zu stellen. Das wäre eine falsche Haltung zu diesem wichtigen Thema.


Das ganze Thema Vergebung und Wiedergutmachung ist im Kontext der Beziehung zu einem geliebten Menschen zu sehen. Es ist ein grundsätzlich wichtiges Element des menschlichen Zusammenlebens. Vergebung bildet einen wichtigen Gegenpol zu der Atmosphäre, die durch einen Konflikt die Beziehung belastet. Diese Sicht hat in erster Linie etwas mit einer Entscheidung pro Beziehung zu tun. Wer einen Menschen liebt, der vergibt ihm. Vergeben heißt nicht vergessen, wie es so schön heißt; vergeben und vergessen. Wer vergisst, lernt unter Umständen nicht, sondern verdrängt. Es sollte etwas aus dem Konflikt gelernt werden und um das Gelernte vorbehaltlos umzusetzen muss der emotionale Boden frei von Verletzung und “Altlasten“ sein. Nur so können sich Streitthemen nicht zu Dauerbrennern entwickeln und eine konstruktive Atmosphäre der Entwicklung innerhalb der Beziehung geschaffen werden.


Um das Thema Vergebung und Wiedergutmachung bildlich auszudrücken:

Wer sich in den Finger schneidet wird augenblicklich einen Schmerz spüren. Dieser Schmerz wird die Erkenntnis erzeugen, dass es wichtig ist zu handeln. Es wird die praktische Behandlung der Wunde folgen. Ein Verband wird angebracht, um die Blutung zu stillen. Später wird man den Heilungsprozeß eventuell noch durch eine Wundheilsalbe unterstützen.

Um Vergebung bitten ist die Erkenntnis, jemand verletzt zu haben. Wiedergutmachung ist die praktische Behandlung der Verletzung. Sowohl die Erstversorgung als auch die Nachsorge.


1.8 Ich - Botschaften4


Die Ich-Botschaften, auch Selbstoffenbarungen, sind Äußerungen, die eigene Meinung und die eigenen Gefühle mitteilen. Eine Ich-Botschaft besteht aus einem Gefühls- und einem Tatsachenanteil: Die eigenen Gefühle werden in der Ich-Form zum Ausdruck gebracht. Was die Gefühle verursacht hat, wird im sachlichen Informationsteil der Botschaft mitgeteilt:

Beispiel: "Als ich feststellte, dass Du wieder zu spät gekommen bist, war ich sehr enttäuscht!"

In der Ich-Form vorgebracht, werden geäußerte Gefühlsstimmungen nicht zur verletzenden Kritik an der anderen Person, wie es oft bei "Du-Botschaften" (z.B. "Du lügst immer!") der Fall ist. Die Ich-Botschaft vermeidet eine unfruchtbare Konfrontationssituation und trägt der Tatsache Rechnung, dass zuerst der Sprecher ein Problem hat, nicht der Angesprochene.



Zu Beachten bei Ich - Botschaften


Beispiel: "Es macht mich ein bisschen traurig, dass dir das manchmal so egal ist."


1.9 Aktives Zuhören


Es geht bei dieser Methode darum, zuzuhören. Wer richtig zuhört versteht um was es geht, und muss nicht interpretieren. Es geht nicht darum so schnell wie möglich eine Lösung für das Anliegen oder Problem des Partners zu finden. Zunächst soll das Aktive Zuhören dazu dienen zu verstehen um was es dem Partner geht, was ihn bewegt und was er erwartet.

Mit dieser Methode kann ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Identifikation mit dem Partner oder seinem Anliegen während eines Gesprächs erreicht werden. Aktives Zuhören vermittelt Wertschätzung und Interesse am Anderen und dem, was er zu sagen hat. Diese Gefühle sind wichtig für eine positive Kommunikation.


Wichtige Elemente des Aktiven Zuhörens sind:


Die Gefühle des Partners ansprechen.

Beispiel: “….Das bedrückt dich..“; “..dir geht es damit nicht gut..“; “.. dein Schmerz ist groß..“

Spiegeln

Das in Worte fassen, was der Partner selbst gesagt hat, dabei jedoch andere sprachliche Formulierungen verwenden. Das dient dazu, Mißverständnissen vorzubeugen und signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Beispiel: Er : „Ich war heute richtig gut mit Jörg radeln.“

Spiegeln: „ Die Bewegung mit Jörg zusammen hat dir echt gut getan.“

Signale

Hierbei geht es darum verbale oder nonverbale Signale von sich zu geben, um dem Partner zu zeigen, dass man noch bei der Sache ist und ihm aufmerksam folgt.

Beispiel: Nach einer Pause z.B. ein „Hm“ oder „Aha“ von sich geben oder zustimmend mit dem Kopf nicken.

Vertiefende Fragen

Nachfragen wirkt unterstützend für den Gesprächsverlauf und verdeutlicht dem Partner gleichzeitig wo es Mangel an Informationen gibt. Durch Nachfragen werden Mißverständnisse verringert und das Anliegen des Partners gewinnt an Klarheit. Es ist hierbei unter anderem wichtig, nach den Gefühlen des Partners zu fragen und Interesse zu zeigen an dem, was ihn bewegt.



Was beim Aktiven Zuhören nicht gestattet ist:



Vertiefungsfragen


Praktische Übung zum Thema Aktives Zuhören

Trefft Euch als Paar mit einem gut befreundeten Paar. Übt nun aktives Zuhören anhand eines Themas das einen von Euch beiden sehr interessiert. Zum Beispiel erzählt einer über sein Hobby, der andere muss mit Aktivem Zuhören das Gespräch mitführen. Das befreundete Paar beobachtet euch bei diesem Gespräch. Nachher reflektiert ihr gemeinsam das Gespräch. Reflektiert, wie ihr euch gefühlt habt.



Erarbeitet euch das Thema Kommunikation anhand folgender Fragen. Nehmt Euch Zeit für die Fragen und seit offen zueinander. Die Fragen dienen dazu das Thema zu vertiefen und aufzuzeigen wie unterschiedlich jeder von euch in diesem Bereich geprägt wurde.


Prägungen


Konfliktkommunikation


Kommunikationsregeln



Zur Erinnerung


Ziel dieses bschnitts ist es zu verdeutlichen wie wichtig es ist, zu verstehen, dass Kommunikation vielschichtig ist, das jeder ein anderes Verständnis davon hat und das es möglich ist mit ein wenig Übung und Sensibilität eine gemeinsame “Sprache“ zu entwickeln.





© Patrick Weidner 2007




















1Abb. Die Gute Nachricht Bibel; Jakobus 3, 3-5

2Friedmann Schulz von Thun, Miteinadner reden 1, Rowolth Tb., 2005

3Abb. Guy Bodenmann, http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Partnerschaft/s_122.html




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